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german.pages.deItalienisch verbotenEine Schule, in der nur in arabisch und französisch gelehrt wird, nicht aber in der Sprache des Landes. Italienisch ist verboten in der tunesischen Schule von Mazara del Vallo. Die Schulleitung achtet darauf, dass die Lehrer nicht mit Italienern fraternisieren oder sich gar lokal verheiraten. Dann werden sie ersetzt durch neue Lehrkräfte aus Nordafrika, die kein italienisch können, wie die Zeitung La Repubblica berichtet. Mazara ist ein hübsches, altes Städtchen südlich von Marsala im westlichen Sizilien. Seit Jahrhunderten wohnen hier arabische Fischer, ehedem in einer Kasbah, jetzt über die Altstadt verstreut. Um ihnen zu helfen, ihr kulturelles Erbe zu wahren, hat Italien dem benachbarten Tunesien erlaubt, hier eine Schule zu betreiben. Aber wollte es eine Schule, die gegen alles Italienische diskriminiert, die Schüler produziert, die nichts über das Land wissen, in dem sie höchst wahrscheinlich ihr ganzes Leben verbringen werden; die nicht einmal seine Sprache sprechen, geschweige denn sie lesen und schreiben können? In Mailand, in der Via Quaranta, befindet sich eine grosse islamische Schule. Sie wurde kürzlich geschlossen wegen baulichen Problemen, und die Kinder wurden aufgefordert, eine staatliche italienische Schule zu besuchen. Eltern und Kinder traten in Streik, der islamische Unterricht wurde auf dem Gehsteig vor der Schule fortgesetzt. Die Schliessung der Schule wurde von der grossen moslimischen Gemeinde als anti-islamischer Akt und als Folge der Terrorismus-Hysterie verstanden. Der Unterricht auf dem Trottoir wurde nach einigen Tagen wegen Verkehrsbehinderung verboten. Eine Fernsehcrew des Senders der fremdenfeindlichen lokalen Nordliga-Partei wurde auf dem Gehsteig angegriffen. Aus einem baulichen Problem wurde so ein Politikum von einer Art, die Italien weder mag noch erwartete. Kurioses Faktum: eine Frau, die kürzlich in Mailand ein Kind nach dem Unterricht an der islamischen Schule abholen wollte und verschleiert war, musste auf Forderung anderer Eltern ihren Schleier öffnen, damit man prüfen konnte, wer hier ein Kind abzuholen wünscht. Nicht nur Deutschland, Grossbritannien und Frankreich haben ihre Probleme mit islamischen Schulen, auch das tolerante und arabophile Italien tut sich zunehmend hart im Umgang mit seiner muslimischen Minderheit. Was die Italiener erregt, sind die Arroganz und Engstirnigkeit, mit denen sich die Träger und Nutzer dieser Schulen gebärden. Den Schaden tragen die Kinder, die in ein Ghetto gezwungen werden, in dem sie vielleicht ein Leben lang gefangen bleiben werden. Dabei geht es auch anders. Seit fünf Jahren gibt es nämlich in Mazara del Vallo neben der tunesischen auch eine italienische Schule, in der alle Kinder italienische und arabische gleichermassen in beiden Sprachen unterrichtet werden. Sie singen gemeinsam italienische und arabische Lieder, unterhalten sich in beiden Sprachen, und harmonieren perfekt. Wer von den nordafrikanischen Kindern den Koran studieren, die eigene Kultur und Sprache vertiefen will, besucht in der Freizeit zusätzlich eine Medresse. Eine wegweisende Formel, die in Zukunft in allen Schulen in Mazara angewandt werden soll, und die von vielen arabischen Eltern als sie den Erfolg an ihren eigenen Kindern sahen mit Begeisterung aufgenommen wurde. Zweisprachige Schulen: eine Formel der Zukunft.
—— Giorgio Ascoltone |